16. September bis 28. Oktober 2016

Vernissage Freitag, 16. September, 18 Uhr

Amthausplatz Solothurn

Philipp Hänger

It stares back

Deep silence between a cowboy and the spotted wild goldfish.

Philpp Hängers künstlerisches Schaffen ist beeinflusst von seiner Ausbildung zum Industrie Designer und Grafiker. Sein Arbeitsprozess lehnt sich an die Verfahren der Produkteentwicklung im Industriedesign an.
Eine Vorlage wird also sehr intensiv geprüft, analysiert, aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, gezeichnet, ergänzt und schlussendlich als Prototyp produziert.
Sein Werk kann ähnlich dem eines Spurensuchers interpretiert werden, vielleicht auch dem eines Archäologen.
Ein Fundstück – etwas aus dem persönlichen Haushalt – ein nicht mehr gebrauchtes Familienerbstück, eine «Trouvaille» von einem Spaziergang, wird akribisch untersucht auf seine Nützlichkeit, Form und Farbe. Die Objekte werden umgekrempelt, mit neuem Material ergänzt oder gefüllt oder erweitert.
Da sind beispielsweise umgestülpte Hosentaschen von Herrenhosen, die mit Kunststoff-Füllung gehalten werden. Als Kleinobjekte angeordnet stellen Sie Verhaltensmuster von kunstinteressierten Vernissagebesucher und Besucherinnen dar.
Lose angeordnet im Dialog, in einer Gruppe vereint oder wie so oft auch verloren im Raum.
Eine andere Arbeit – eine Fotoserie – dokumentiert die plastische Entwicklung eines gefunden Steins. Ein Prozess hin zum Objekt indem der Künstler den Stein mit einer Schicht eines frei gewählten Materials erweitert, dieses dann fotografiert, einen Abguss anfertigt und die daraus gewonnene neue Form mit weiterem Material ergänzt und diese sowohl fotografisch als auch physisch festhält - einen neuen Abguss anfertigt um weiter damit zu Arbeiten.
Eine schier endlose Aufzeichnung um den Fortgang eines Objektes, welches in Fotografie und Objektprozession festgehalten wird.
Fotografieren ist überhaupt ein wichtiger Akt in Philipp Hängers Arbeit. Die Fotografie steht dem dynamischen Prozess des Entstehens gegenüber und hält diesen für einen Moment an. Sie fügt nichts dazu bei sondern nimmt ein Still (-stehen) auf.
Aber – sowohl die Prozession der Objekte, wie auch die fotografischen Dokumentationen sind oftmals nur Teil einer grösseren übergeordneten Arbeit.
Wie eingangs erwähnt, ist der Diskurs mit dem Raum ein wichtiger Faktor in der Herangehensweise des Künstlers an seine Ausstellungen.
Ausstellen ist vielleicht auch nicht der richtig Begriff. Philipp Hänger stellt nicht im eigentlichen Sinne aus, sondern vielmehr ein. Performativ studiert er Architektur, Atmosphäre und Umgebung. Setzt sich hinein, recherchiert und versucht das Innenleben nach aussen zu tragen.
So konzipiert er letztlich eine Ausstellung als eine sich verändernde Performance.
Eine neure Arbeit, die auch aus dieser Haltung entstanden ist, sind seine acht Menhire. Mystisch stehen sie da und erzählen von der Bedeutung  des kultischen Monolithen in der modernen Kunst. Da finden sich feine Linien und Ornamente. Schnell findet man heraus, dass es sich um Abdrücke von Nähten und Reisverschlüssen handelt. Was hier abgezeichnet ist, ist das Innenleben von acht Schlafsäcken. Diese Ausstülpung transferiert auch eine intime innere Welt, was sich so eingeschlossenen und geschützt alles gelebt haben könnte. Es reflektiert aber gleichzeitig den Menschen der diesen Schlafsack gebraucht hat und dessen ungestülpte Schlafhülle nun gefüllt mit Beton als Menhir auf Augenhöhe mit dem Betrachter kommuniziert.

Den «Viewer» nun, hat Philipp Hänger auf dieselbe Weise untersucht. Er hat sich sowohl von der Bedeutung VIEWER – SICHT – EINSICHT und DURCHIST aber auch von der Funktion, dem AUSSTELLEN UND EINSTELLEN führen lassen. Er hat den «Viewer» als Objekt interpretiert und auch hier hat er das Innenleben – was gesehen werden soll – nach aussen gekehrt.
Mit einer leicht reflektierenden Hülle gibt er dem Objekt wiederum ein neues Element dazu. Himmel, Bäume und Strukturen in der Umgebung bespielen das Objekt. Performativ nehmen wir die Bewegung aus dem Umfeld war. Ein ruhiger Reflektor, der Stimmungen und Schwingungen für einen Moment wiedergibt, der durch Licht und Schatten leuchtet oder verblasst oder sich im Nebel ganz in die Stimmung einschliesst.
So führt der «Viewer» als Objekt einen stillen Dialog mit dem Betrachter, der sich durch die Umkehrung der Einsicht in das Objekt an dieser Stelle an einem Aussichtspunkt wiederfindet.
«It stares  back»
Es starrt zurück.
fae/2016