23. August bis 1. Dezember 2019

Amthausplatz Solothurn 

 

Monika Stalder

 Intro Outro

Die Künstlerin Monika Stalder (*1981) hat für den Viewer eine formal strenge und farblich reduzierte Arbeit entwickelt. Die Bodenfläche des Viewers wird ihr dabei zum Träger ihrer Komposition. Anstelle eines dichten Farbauftrags auf einer Leinwand- oder Baumwolloberfläche bedeckt die Künstlerin mit dem losen Rebenschwarz-Pigment den gesamten Boden bis auf die kreisförmige Aussparung. Die Fläche nimmt eine fast textile Qualität an und lässt an einen samtenen Teppich denken. Das tiefschwarze Pigment hat Monika Stalder durch Verkohlung von trockenen Weinreben in einem aufwändigen, zeitintensiven Prozess selber gewonnen. Dieser intensiven Dunkelheit antwortet das Leuchtende des Kreismotivs. Hierfür arbeitet die Künstlerin mit einem Nachleuchtpigment, das sich unter Lichteinfluss auflädt und die gespeicherte Energie in Form von Licht wieder abgibt. Die leuchtende Strahlkraft und der Vorgang des langsamen Verblassens des Lichts inmitten der wuchtigen Schwärze wirken magisch.

 

Mit der ortsspezifischen Arbeit für den Viewer führt Monika Stalder ihre Beschäftigung mit der monochromen, schwarzen Fläche und dem Motiv des Kreises weiter. Die Arbeit mit dem Kreis hat ihre zeichnerische und malerische Auseinandersetzung mit der Raute abgelöst, die das frühere Schaffen von Monika Stalder bestimmte. Die Assoziation an Kosmisches und insbesondere die Verbindung mit dem Mond ist beim Kreismotiv naheliegend. Der Viewer wird für kurze, wiederholende Momente zum Leuchtkörper, bevor das Leuchtende wieder von der Tiefe der Dunkelheit verschluckt wird. Es kommt damit zu einem spannungsvollen Wechsel zwischen hell und dunkel, zwischen leuchtender und matter Oberfläche. Dunkel und tief, hell und glühend: Die Arbeit entwickelt einen optischen Sound. Einem Reverb, also einem Echoraum ähnlich, fügen sich im Viewer die Schwingungen der Farben zu einem räumlichen Eindruck. Der Titel der Arbeit – Intro Outro – verweist auf die Musik, die eine wichtige Inspirationsquelle für das Schaffen von Monika Stalder ist. Das Nachleuchten des phosphoreszierenden Pigments ist gleichsam ein Nachhall, ein Echo, das sich ausdehnt und schliesslich von der geheimnisvollen schwarzen Fläche absorbiert wird.

 

Patricia Bieder