31. März 2017 bis 28. Mai 2017
Amthausplatz Solothurn
Vernissage Freitag 31. März, 18.30 Uhr

Irene Maag
Bottom-up

Irene Maag bearbeitet die Seitenwand des Viewers installativ.
Diese ist im Grunde die Decke, da der Viewer abgekippt daliegt. So kommt alles von unten nach oben, bottom-up an die Decke.
Die Logik der Schwerkraft wird irritiert, alles ist aus dem Lot. Spielerische Leichtigkeit oder ein Sinnbild für ein Lebensgefühl in einer aus den Fugen geratenen Welt? Und bottom-up als Lösung für das Unbehagen?

Irene Maag hat sich von der Bildhauerin zur Performerin und Interventionskünstlerin entwickelt und liebt abstrakte Formen. Für ihre Performances lässt sie sich jeweils vom Raum und von der Aufgabe des Ortes leiten. Sie übernimmt die räumlichen Voraussetzungen, geht auf die Architektur, die Umgebungsgestaltung und die Bedeutung des Ortes ein. Sie experimentiert und füllt Leerräume und Inhalte aus. Ihr bildhauerischer Ursprung wird in Form von Kostümen und Werkzeugen in die unterschiedlichen Performances eingebaut.

Irene Maag versteht die Performance nicht einfach als vergänglicher Akt, sondern durchaus auch als eine Form des Archivierens und der Nachhaltigkeit. Oft arbeitet die in Basel lebende Künstlerin auch im offenen und öffentlichen Raum und mit Zeit und Vergänglichkeit.
Sie eröffnet durch Körperverlagerung eine unvermutete Perspektive oder bringt Symbole ein, die den Ort in einem anderen Kontext erleben lassen.
Irene Maag übernimmt die Vorgaben und Geschichten der Örtlichkeiten, verwebt sie mit dem eigenen Erfahrungsschatz und setzt diese mittels Performance in ein Ereignis um.

Bei einem Besuch in ihrem Atelier erzählte sie mir von ihrer Faszination für spezielle Formen und Logik. Die Form des Viewers hat für sie eine ähnliche Wirkung. Die formale Einfachheit hat sie inspiriert und dazu bewogen, eine installative Arbeit zu entwickeln.
Und zwar genau aus dem Konzept des Viewers heraus. Sie hat das Model gedreht, gekippt, auf- und zusammengeklappt, die Perspektiven beobachtet und festgestellt, dass der Ausstellungraum abgekippt ist. Diesem Kippmoment ist Irene Maag nachgegangen – und sie hat die Möbel aus ihrem Atelier im Modell kopfüber auf die eigentliche Decke montiert. Gekippt - wie der Viewer selbst - befinden sie sich nun an der Seitenwand.

Die Logik der Schwerkraft wird irritiert, alles ist aus dem Lot. Vielleicht symbolisiert die Installation Leichtigkeit oder Schwerelosigkeit, Sorglosigkeit oder eine aus den Fugen geratene Welt?

Ein Stilleben aus der Realität an einem anderen Platz. Eine Aufforderung der Künstlerin an die Betrachtenden, die Perspektiven zu wechseln. In Bewegung zu geraten, Vorgefasstes neu zu überdenken und damit zu spielen.

Die Idee zu Performance mit Publikumsbeteiligung entnahm die Künstlerin dem Konzept der Einladungskarte. Die gestalterische Vorgabe lautet, dass zwei Fotos oder Postkarten in Hoch- und Querformat gehalten und abfotografiert werden sollen. Diese so in den Händen gehaltenen Karten assoziierte Irene Maag mit dem Jassen: Eine Hand hält Karten. Die Figuren auf den Jasskarten sind meistens gespiegelt gestaltet, so dass man sie auf dem Kopf anschauen kann.
Passend also zu der ausgestellten Arbeit Bottom-up, bei der die Schwerkraft spielerisch überwunden wird.

Fränze Aerni

 

In drei Aktionen wurde die Installation aktiviert. Stuhl und Tisch wurden  auf den wirklichen Boden gestellt damit bequem gejasst werden konnte .
Spielfreudige Personen haben sich für einen Schieber getroffen.

Die Aktionen wurden am Sa. 8. April 2017, So. 7. Mai 2017, So. 28. Mai 2017, jeweils 15 bis 17 Uhr

durchgeführt. Man durfte auch einfach zusehen kommen.