25. August bis 18. November 2018

Amthausplatz Solothurn

 

Vernissage

Freitag, 24. August 2018 um 18.30 Uhr

Joëlle Flumet

Cash payment required

Joëlle Flumet ist bekannt für ihre digitalen Zeichnungen, die aus dem Alltag gegriffen sind, dem Betrachter jedoch einen ungewohnten Kontext eröffnen.
Sie lotet die Grenzen zwischen Individualität und Gesellschaft aus, flaniert dabei genüsslich durch Konsum- und Markenwelten und betreibt soziologische Tiefenarchäologie. Sie befördert schonungslos unsere verborgenen Ängste, Sehnsüchte, Perversionen oder Träume ans Tageslicht.

 

 

Von uns Menschen sind laufend neue Zugeständnisse gefordert. Wir befinden uns
in einer unfreiwilligen Abhängigkeit – ganz im Sinne von Michaux’ existentiellem
Diktum «Schon Atmen bedeutet Zustimmung».

 

Joëlle Flumet (*1971, in Genf geboren wo sie auch studiert hat, lebt und arbeitet seit 2012 in Zürich)

 

Pragmatisch und scharfsinnig, zuweilen schelmisch, beobachtet Joëllle Flumet ihren Lebensraum, ihr Milieu. Sie erforscht und rekapituliert Themen aus dem Alltag, scannt im Internet entsprechende Bilder und lotet in ihren Zeichnungen, animierten Videos und Objekten die Grenzen zwischen Individualität und Gesellschaft aus.

 

Ihr Werkzeug ist das vektorbasierten Grafik- und Zeichenprogramm „Illustrator“. Dieses erlaubt ihr, Bildinformationen zu unterkühlt wirkenden narrativen Bildwelten zu komponieren. Für ihre Zeichnungen und plastischen Werke wendet Joëlle Flumet eine minimalistische Bildsprache an, welche auch als Psychogramme unserer Gesellschaft verstanden werden können. 

Sie bewegt sich durch die Landschaften der Sozialstrukturen und des modernen Gesellschafts-verhaltens. Sie beobachtet sich und die Allgemeinheit im Alltäglichen und durchleuchtet die manchmal absurden Momente oder die aufblitzenden Paradoxe, die entstehen, wenn Individualität sich zum kollektiven Akteur, zur «Social Movement» entwickelt.

 

JoëlleFlumet geht der Frage nach, inwieweit das Ego sich frei entwickeln kann, beziehungsweise das Ego bereits manipuliert und geformt worden ist. Sie spürt nach der Lücke oder der Luft, die zwischen individueller und kollektiver Entscheidung überhaupt noch Platz findet.

Impulse für ihre Arbeiten geben auch die Texte des französischen Dichters und Malers Henri Michaux: Schon atmen bedeutet Zustimmung.

Von uns Menschen sind laufend neue Zugeständnisse gefordert. Wir befinden uns in einer unfreiwilligen Abhängigkeit. 

 

Veränderungen im sozialen Raum zeichnen sich durch Verbotstafeln und Hinweisschilder ab, deren teilweise absurde Ansagen Nährboden für die Soziologieforscherin Joëlle Flumet sind – und die sie als Zeichnungen  oder Objekte in ironisch–doppeldeutigen Gebrauchsanweisungen darstellt.

Gerade die rationalen Veränderungen in Einkaufszentren, welche beispielsweise die Auflösung der mit Personal besetzten Kassen zur Folge haben, beschäftigen die Künstlerin. 

«Cash payment required» kann neben dem Suchen nach dem «persönlichen Notausgang», auch als Hommage an die Verkäuferinnen, die nicht nur Strichcodes durch den Scanner ziehen – sondern auch als menschliches Gegenüber agieren – verstanden werden.

 

Fränze Aerni