8. September bis 29. Oktober 2017

Amthausplatz Solothurn

 

Vernissage Donnerstag, 7. September, 18.30 Uhr
Performance & Finissage, 29. Oktober, 17.00 Uhr
Die täglichen Projektionszeiten sind jeweils um 8 bis 10 Uhr und von 17.30 bis 19.30 Uhr

Susanne Schär & Peter Spillmann,

Jonas Gillmann

Gast: Rebecca Weingartner

VIEWWWER

Viewwwer ist die vierte Zusammenarbeit des Künstlerduos Susanne Schär & Peter Spillmann und vom Regisseur Jonas Gillmann. Das Projekt setzt die Produktion von Sichtbarkeit installativ um und findet seinen Schlusspunkt in einer Performance mit Rebecca Weingartner.

 


Für ihre Intervention im Viewer hat sich das Künstlerduo Susanne Schär und Peter Spillmann mit den formalen Begebenheiten vor Ort und seinen Brüchen auseinandergesetzt.

So interpretieren sie den Viewer als «Überwachungskamera», als Beobachter des Raums.

To View: erschauen, was im Display auftaucht und festgehalten wird. Eine Teilinformation wird gezeigt, der sowohl politisch-gesellschaftliche als auch ästhetische Botschaften zu Grunde liegen können.

In der Turmuhr des Bieltors fand das Künstlerduo die entsprechende Visualisierung für ihr künstlerisches Vorhaben im Viewer. Das Zifferblatt an der Nordseite des Turms ist vom Amthausplatz aus nicht sichtbar und wird deshalb von vielen StadtbewohnerInnen kaum beachtet.

 

Im Innenraum des Viewers erblickt man eine Szenerie gleich einer Bühne. Diese ist nicht mit Darstellern, sondern korporativen Protagonisten besetzt. Das Bild wird von einem angeordneten Apparat, bestehend aus Regiepult, Studiokamera, Maske, Spiegel und Beamer produziert und projiziert: Auf Umwegen nähert sich der Betrachter damit der nördlichen Turmuhr des Bieltors. Die Projektion, die an der Wand im Viewer sichtbar ist, spiegelt das Verstreichen der Zeit. Das Bild ist tatsächlich gespiegelt. Diese Irritation lässt die Betrachtenden zu Mitwirkenden werden. Das Rückwärtslaufen der Zeit auf der Projektion ist in Wahrheit das Verstreichen der realen Zeit.

Die Uhr selbst ist direktes Visualisieren eines Ablaufs.

 

Dieser eigentlich unspektakuläre Prozess zeigt uns gleichzeitig das Vorwärts- und Rückwärtsgehen der Zeit.

Wir erfahren die Zeit als Fortschreiten der Gegenwart in die Zukunft und gleichzeitig als Rückblick in die Vergangenheit.

 

Nach dem Philosophen Augustinus von Hippo sind Vergangenheit und Zukunft nur Erinnerungen – beziehungsweise Erwartungen in der Gegenwart.

 

Uns Betrachtende lädt diese Arbeit ein, in unserer schnelllebigen Zeit den Moment als solchen wahrzunehmen.

Das Rückwärtslaufen der Uhr zu beobachten erlaubt uns, gleichzeitig im Hier zu sein und ins Vergangene einzutauchen.

 

Der Denkanstoss des Fotografen und Filmemacher Robert Frank kann dazu vielleicht einen Wegweiser ein. Er reflektierte einmal seine Arbeit mit der Kamera folgendermassen:

„Now I speak to the people in my viewfinder.

Not simple and not especially successful.“

 

Die täglichen Projektionszeiten sind jeweils morgens um 8 bis 10 Uhr und abends von 17.30 bis 19.30 Uhr.

 

Die Performerin Rebecca Weingartner wird an der Finissage am 29.Oktober um 17 Uhr in die Installation intervenieren, sie umformen und neu interpretieren. Der Eingriff soll als «Art Vivant» verstanden werden.